Ein Wunder kommt geflogen. Ein Baby ist unterwegs.

Die Kinderplanung war in den letzten zwei Jahren beinahe täglich ein Thema im Hause Tinaundderigel. Sie wie war erfüllt von Hoffnung, von Träumen und von Liebe. Sie war aber auch gezeichnet von Ängsten, von passenden Zeitpunkten und Zweifel.

Vermutlich durchläuft jedes Paar, das einen Kinderwunsch im Herzen trägt diese Gefühlsachterbahn.

Gerne möchte ich den besonderen Moment festhalten, an dem ich von meiner Schwangerschaft erfahren habe.





Als wir am Samstag vor meinem Geburtstag einkaufen waren, bemerkte ich erstmalig, wie übel mir war. Ich zog mitten im Geschäft meine Jacke aus und auch meinen Pullover. Ich stand bei Minusgraden mit einem dunkelgrauen Unterleibchen vor der Gemüseabteilung.

,,Mir ist schlecht. Holst du mir bitte einen Apfelsaft? Schnell".

Sascha sah mich besorgt an und brachte mir einen Apfelsaft. Ich wollte zum Trinken ansetzen, doch dann erinnerte ich mich, dass ich eine Maske aufhatte. Ich war definitiv genervt. Ich konnte es als kleines Kind schon nicht leiden, wenn mir übel war.

Ich schob heimlich die Maske etwas zur Seite und holte ein paar Mal kräftig Luft. Es wurde besser.

,,Ich denke wir haben alles. Fahren wir heim? Ich hab' einfach Durst."

Wir stellten uns an. Die Schlage war unglaublich lang.

,,Vielleicht bin ich ja auch schwanger!", lachte ich Sascha an. Er lachte zurück.

Sascha gab mir einen Kuss auf die Stirn und flüsterte mir ins Ohr: ,,Hallo kleines Baby im Bauch!"

"Hör auf. Das hat niemals geklappt. Da schau! Wir sind dran", beendete ich das Gespräch und fing an unseren Einkauf aufs Kassaband zu legen. Wir bezahlten und fuhren nach Hause.

Da ich am Tag darauf Geburtstag hatte, waren wir am Abend bei meiner Mama zum Abendessen eingeladen. Wir hatten einen schönen Abend mit meiner Mutter und schlenderten spät Abends Hand in Hand nach Hause.

Ich hatte auch Bauchschmerzen. Schon seit Tagen fühlte es sich so an, als würde ich meine Blutung bekommen. Meine Brüste spannten und ich fühlte mich aufgebläht. Es war eigentlich immer so, dass sich meine Periode einige Tage vorher ankündigte. Ich warf am Nachhauseweg wieder einen Blick in meine Periodenapp. Ich kämpfte seit einigen Jahren mit unregelmäßigen Zyklen und war abermals enttäuscht, dass sich mein Zyklus nun schon wieder verspäten würde. Der einzige Unterschied diesmal war, dass ich eine Begründung hatte. Ich hatte mir drei Wochen zuvor meine Spirale ziehen lassen. Ich stellte mich schon darauf ein, dass das mit der Kinderplanung wohl einige Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern würde.

Sascha sah meine Verzweiflung. Er bestärkte mich immer wieder aufs Neue. So auch am Nachhauseweg: ,,Ach Mauzi, sei nicht so besorgt. Wir kriegen das schon hin. Wenn es länger dauert, dann dauert es einfach länger. Andere Paare basteln auch lange herum."

,,Und was ist, wenn ich niemals Kinder bekommen kann?", fing ich an zu weinen.

,,Dann finden wir eine andere Lösung. Wir haben über zehn Jahre Zeit, dass du ein Kind bekommen kannst. In irgendeinem Monat der kommenden zehn Jahre werden wir das doch schaffen", beruhigte er mich.

Ich wusste, dass er recht hatte. Ich wusste auch, dass meine Sorgen überdimensional groß waren. Doch zu groß war auch meine Angst, das für mich größte Heiligtum - nämlich das Heiligtum Familie - in gewisser Weise aufgeben zu müssen.

Als wir zu Hause ankamen hatte ich meine Sorgen um den Kinderwunsch bereits vergessen. Obwohl ich eine Schwangerschaft aufgeschlossen hatte, kramte ich aus dem letzten Eck meines Badezimmers einen alten Schwangerschaftstest aus. Sascha zog sich seinen Jogginganzug an und ich verschwand für einige Minuten auf der Toilette. Nach drei Minuten zeigte der digitale Test folgende Zeilen: ,,Schwanger. 2-3".

,,Was? WAS? WAAAAS? Sascha, schau! SCHAU! Kann das sein?"





Ich zweifelte noch immer daran, ob der positive Test auch wirklich stimmen würde. Wir setzten uns also nochmal ins Auto und suchten mitten in der Nacht eine Notfallapotheke.

Die Autofahrt war eine der lustigsten, die ich je erlebt habe. Sascha und ich waren vollkommen ambitioniert, was wir nicht noch alles erledigen müssten in den nächsten neun Monaten.

Dazwischen warf ich allerdings immer wieder ein: ,,Freuen wir uns noch nicht. Der Test ist ja vielleicht auch falsch."

Sascha googelte eifrig und las mir vor, welche Symptome ich jetzt haben müsste. Außerdem las er mir vor, dass positive Schwangerschaftstest nicht falsch positiv sind. Vor allem dann nicht, wenn man als Frau schon längst überfällig sei. Wir grinsten bis zur Apotheke. Wir kauften gleich zwei Packungen mit jeweils zwei digitalen Schwangerschaftstests. Am Heimweg sprach ich über meine kommenden Prüfungen, meinen Job und der leisen Vorahnung, dass mein Arbeitgeber nicht besonders glücklich über die Nachricht Schwangerschaft wäre. Wir lachten, weil mir das tatsächlich herzlich egal war und ich mich schon auf deren Gesichter gefreut habe - unter der Voraussetzung, dass ich wirklich schwanger wäre.

Als wir in der Wohnung angekommen sind trank ich ein Glas Wasser und wartete noch einige Minuten bevor ich den nächsten Test machte. Ich wollte mir die Freude nicht nehmen und den Moment schwanger zu sein noch genießen. Ich konnte es nach wie vor nicht glauben, dass sich der Test bewahrheiten würde. Nun, da ihr nun diesen Blogbeitrag lest, könnt ihr euch vermutlich vorstellen, wie der zweite Test ausfiel. Er war wieder positiv und wir schliefen in dieser Nacht kaum. Ich recherchierte über Rechte als Selbstständige, als freie Dienstnehmerin und als Studentin. All das traf schließlich auf mich zu und bedeutete tatsächlich einen relativ großen Aufwand.

Am nächsten Morgen feierte ich meinen Geburtstag, zumindest in einem erlaubten Ausmaß im Lockdown. Meine Mama sah ich bei der Gassirunde, mein Papa kam zum Frühstück, und meine Schwestern am Nachmittag und Abend.

Da ich mit meiner Familie ein sehr enges Verhältnis habe erzählte ich ihnen von meinem positiven Schwangerschaftstest. Alle freuten sich. Rückblickend war das der schönste Tag meines Lebens bisher. Meinen 25. Geburtstag werde ich ewig in ganz besonderer Erinnerung behalten. Ich bekam das schönste Geburtstagsgeschenk von meiner großen Liebe, von meinem Körper und vom Universum.





Ich freue mich, wenn ihr meinen privaten Instagramkanal tinaundderigel und meinen Inspirationskanal lernstall abonniert.



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