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Das ideale Alter für Fremdbetreuung - wieviel, wie lange und warum - aus Psychotherapeutischer Sicht

Hallo ihr Lieben,


schön, dass ihr wieder da seid.


Ich schriebe diese Blogs hier im Bett, wenn mein Zwerg dicht an mich gekuschelt schläft und ich mich nicht bewegen darf. Ich glaube, alle Eltern kennen diese Situationen. Entschuldigt also so manch einen Rechtschreibfehler, Tippfehler oder unvollständige Sätze. Manchmal fällt mir meine Kontaktlinse aus den Augen, manchmal merkt Zwerg doch, dass ich tippe - manchmal vertippe ich mich auch einfach so. Ich entdecke die Fehler ein zwei Tage später, ich lasse sie meistens dann aber stehen, weil ich zu bequem bin, sie zu ändern. Mein Markenzeichen, wenn man so will. Also, liebe Fehlerpolizei - ihr dürft eure Ressourcen gerne für andere Dinge aufwenden, als mir meine Fehler zuzuschicken. Ich bessere sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aus ;-)


Ein Thema, zu dem ich schon viele Reels gedreht habe und dann doch nicht veröffentlicht. Ein Thema, zu dem ich aber heute gerne schreiben möchte.


Das Thema mit der Fremdbetreuung. Und ich atme drei mal tief ein und aus - weil ich auf dünnem Eis bewege.



Nirgends höre ich so viele verschiedene Meinungen, Statements und nirgens erlebe ich so viel ,,Mom- Bashing" wie hier. Und ich bewerte und verurteile keine Mama. Aber ich teile das Wissen aus der Pädagogik und Psychotherapie. Soviel vorweg.


Deshalb fühle ich mich fast schon berufen, hier Klarheit einzubringen.

Und da gibts mehrere Perspektiven, die ich erwähnen möchte. Die Sicht der Kinder und die Sicht der Frau in unserer Gesellschaft. Und schon sind wir mitten im Thema.


Bevor du den Beitrag liest - atme du bitte auch einmal tief ein und aus. Dieser Beitrag soll niemanden verurteilen, der anders handelt, als es hier empfohlen wird.

Ich habe einen etwas hinkenden Vergleich: jeder weiß, dass Rauchen, Alkohol, Zucker oder wenig Bewegung für den Menschen nicht gut sind. Und das ist ein Fakt, den man nicht abstreiten kann. Und ob man dann am nachmittag eine Torte isst und am Abend ein Glas Wein trinkt, bleibt einem selbst überlassen - erfreulicherweise! Und so gibt es das auch für die Empfehlung der Fremdbetreuung. Es ist eine Empfehlung - und was man dann umsetzen kann oder möchte - darf jeder selbst entscheiden. Oder anders gesagt: wir haben manchmal gar nicht die Möglichkeit uns für das Beste für unser Kind zu entscheiden.



Das beste fürs Kind


Das wollen wir alle, nicht wahr?

Es gibt sie, die eindeutigen Studienergebnisse aus der Psychotherapie und Bindungsforschung. Es gibt sie und sie werden ziemlich unter den Tisch gekehrt. Und das macht mich stutzig.



Das Thema ist so umfangreich, wie ich gerade merke, dass hier wohl nicht ein einziger Blog dazu reichen kann. Befassen wir uns einmal mit dem wesentlichsten.

Der Bindung. Und die startet bereits vor der Geburt. Aber bleiben wir einmal bei der Geburt.


Bonding


Direkt nach der Entbindung eines Kindes sollten Mutter und Baby nicht getrennt werden. In den ersten Stunden nach der Geburt entsteht das Bonding zwischen Mama und Kind, dass auch den Milcheinschuss begünstigst und lebenslange Auswirkungen auf die Mutter - Kind Beziehung haben soll.

Man geht sogar davon aus, dass Mütter, die dieses Bonding nicht gut erfahren haben, sich auch leichter tun, ihre Kinder unter 18 Monaten fremdbetreuen zu lassen.


Und in Wahrheit ist es ein ganz natürlicher und richtiger Instinkt einer Mutter, dass sie ihr Kind beschützen möchte. In den ersten 18 Monaten ist das besonders stark ausgeprägt.

Genießen Mutter und Kind also ein starkes Bonding nach der Geburt, wird die Mutter in den ersten 18 Monaten auch nicht an Fremdbetreuung denken. Da kann sogar die Betreuung innerhalb der Familie abgelehnt werden. Wenn es Mutter und Kind dabei gut geht, ist das das natürlichste der Welt.


Halten wir also fest:

Es gibt die Meinung, dass Fremdbetreuung unter 18 Monaten aus bindungstheoretischer Sicht unnatürlich und sogar unter gewissen Umständen schädlich ist.




Achtzehn Monate nur Mama?


Jein.

Auch hier gehen die Meinungen auseinander. Manche Studien behaupten, in den ersten 12 Monaten ist die Mutter wirklich die Hauptbezugsperson (was auch mit dem Stillen zusammenhängt) während andere hier auch betonen, dass Kinder sehr wohl in der Lage sind, auch andere Bezugspersonen anzunehmen, jedoch auch hier meist die Rede von Mama, Papa und ein bis zwei weitere Personen.

Aber ja- dass die Mutter - alleine auch durch die Stillbeziehung- eine besondere Stellung beim Kind hat, kann man nicht abstreiten.


Ein gutes Video dazu findest du hier:

Risiken der frühkindlichen Fremdbetreuung:



Bindungspersonen


Kinder können Bindungen mit anderen Bezugspersonen als der Mutter eingehen. In den ersten Jahren ist die Anzahl allerdings doch etwas limitiert. Mama, Papa, plus 2 Bezugspersonen sind für junge Kinder gut möglich. Alles was mehr ist, kann bei manchen Kindern auch verwirrend sein und zu Unsicherheiten führen.


Die Sache mit der Krippe


Kinder im Alter von 0-3 Jahren fühlen sich in Betreuungen von Großgruppen gestresst. Die Studienergebnisse sind eindeutig und nicht abzustreiten. Ganz besonders trifft es Kinder im Alter von 0-2 Jahren, denn der Cortisolspiegel von Krippenkindern gleichen denen, eines gestressten und hart arbeitenden Managers mit viel Verantwortung. Auch nach fünf Monaten, bei denen Eltern und Pädagog:innen das Gefühl hatten, die Kinder wären gut eingewöhnt, treten erschreckende Ergebnisse ans Licht: Die untersuchten Kinder in der Krippe hatten nach wie vor verschobene Cortisolwerte, die bis ins Jugendalter beobachren werden konnten.

Kinder, die je früher und länger in Großgruppen betreut wurden, neigten im Volksschulalter zu Konzentrationsschwierigkeiten, im Jugendalter zu Depressionen, Antriebslosigkeit, uvm.


Das bedeutet nicht, dass jedes Kind von einer Krippenbetreuung schaden nimmt. Es bedeutet aber, dass das eindeutige Risikofaktoren sind. Und diese Risikofaktoren stehen aber auf keiner Website von Krippeneinrichtungen - im Gegensatz zur Zigarettenpackung. Ein plumpes Beispiel, aber ich denke auch ein treffendes.


Woher sollen Eltern denn die Risikofaktoren einer Krippe kennen, wenn sie nicht klar aufgelistet sind.


Und Tagesmütter?


Auch wenn die Organisationsform einer Tagssmutter besser scheint, ist auch hier die Anzahl der Kinder tatsächlich zu hoch. Erst bei einer Betreuung von maximal 1-2 weiteren Kindern pendelt sich der Cortisolspiegel ein. Eine Tagesmutter sollte also nur maximal (!) drei Kinder gleichzeitig betreuen. Und das ist für die meisten Tagesmütter nicht rentabel, bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von .... 3-7€!!


Halten wir also fest


Kinder unter drei Jahren sind idealerweise im 1:1 Setting betreut, maximal 1:3. Kinder können aber erfreulicherweise Bindungen zu mehreren Bezugspersonen eingehen. (Ein Kind braucht ein Dorf um groß zu werden).

Es ist also nicht nur Mama dran. Da kann der Papa, die Oma, die Babysitterin, der Onkel oder die Nachbarin genau so als Ressource dienen.


Die Wochenendpapas


Eine Sache, die ich nicht verstehen kann. Kinderbetreuung bedeutet ab einem Zeitpunkt, den alle Beteiligten auch spüren , 50/50. Väter, die nur am Wochenende da sind, erleben nicht, wie gemeinsam Hausaufgaben gemacht werden, wie Spielplatzdates ausgemacht werden, wie der Besuch beim Kinderarzt abläuft. Und das sind alles Bindungserfahrungen, die dann fehlen.

Und das sind alles Stunden, in denen ein Kind entweder bei Mama ist, in der sie nicht ihrem Job nachgehen kann, oder eben bis 17 Uhr im Kindergarten bleiben muss, wenn keine anderen Bezugspersonen vorhanden sind. Erfreulicherweise gehen aber immer mehr Väter in Karenz und auch die Möglichkeiten scheinen sich dahingehend auch besser zu entwickeln.



0-3 Kindergartenfrei


Halten wir also fest, dass ein Kind erst dann wirklich bereit ist in den Kindergarten zu gehen, wenn es das selbst von sich aus sagen kann. Also die Sprachentwicklung ausgereift ist, der Wunsch nach anderen Kindern auch kommuniziert oder bemerkt wird,



Die Stunden im Kindergarten


,,Leider" sind auch die Anzahl der Stunden im Kindergarten gar nicht so lange notwendig, für das Kind. Ein Kind, das 4 Stunden im Kindergarten war, hat definitiv ausreichend soziale Kontakte erlebt. Eventuell ist noch das gemeinsame Essen eine schöne lern- Erfahrung für Kinder.

Wenn du dein Kind also um 09:00 in den Kindergarten bringst und nach dem Essen wieder abholst, reicht das definitiv.


Die Umsetzung


Und da merken wir schnell, dass das für die meisten Familien gar nicht so einfach ist. Finanziell eine Herausforderung, wenn ein Elternteil jedenfalls wenig(er) arbeiten muss, um den Ansprüchen gerecht zu werden.

Fehlt es am Netzwerk innerhalb der Familie, wird es nochmal schwerer.

Wir bräuchten also definitiv mehr Kinderbetreuungsgeld und einen Wandel in den Rollenbildern. Denn auch Mütter dürfen wieder arbeiten und Väter dürfen mehr Stunden unter der Woche zu Hause verbringen.


Ressourcen zukaufen


Ich sage immer, es ist besser eine Babysitterin/ Leihoma oder Nanny zu bezahlen, als das Kind ganztägig in eine private Einrichtung zu schicken. Eine Babysitterin kann viel besser auf die Bedürfnisse eines Kindes eingehen, als Pädagoginnen mit 15-25 Kindern in einer Gruppe.

Und tatsächlich, ich kenne durch mein Magisterstudium in der Pädagogik so viele Krippen - Pädagoginnen. Keine der Professionistinnen konnte mir guten Herzens eine Krippenbetreuung empfehlen. Und das sind immer Sätze, mit denen ich mich unbeliebt mache. Aber das nehme ich wohl jetzt in Kauf.


Was Kinder brauchen


Ich verstehe die Not, eine Kinderbetreuung zu brauchen. Ich verstehe den Wunsch, selbst wieder arbeiten zu gehen. Ich verstehe die Hoffnung, dass dem Kind in einer Einrichtung ,,etwas geboten wird".

Aber das beste für Kinder ist es das nicht. Und das kann man nicht abstreiten.



Ein sehr bekanntes Buch zu dem Thema ist: Vater, Mutter, Staat.



Und ich denke jede Familie, die sich dafür entscheidet ein Kind auch nur ein paar weniger Stunden in die Groß- Gruppenbetreuung zu schicken, ist für mich ein Gewinn.


Mein Beitrag - NIDO tiergestützte Tagesmutter

Ab Oktober nehme ich 1-2 Kinder jünger als 3 Jahre als Tageskinder in die Tagesbetreuung stundenweise auf. Und mehr nicht. Und ich könnte mich nicht stolzer schätzen. Denn Kinder dürfen fremdbetreut werden - in Kleinstgruppen. Wir haben hier im LERNSTALL Perchtoldsdorf einen Spiel & Speiseraum, einen Schlafraum und einen großen Garten mit Kaninchen und Wachteln. Dazu ein andermal mehr. Ich habe für mein Kind händeringend nach so einer Betreuungsform vergeblich gesucht. Und nun kann ich sie für andere Kinder ermöglichen.


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